Quedlinburg, 16. März 2007
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Sehr geehrter Herr Dr. Brink (1. Vize-Provost der Texas Tech Universität), Sehr geehrter Botschafter Nagy (Vize-Provost für internationale Angelegenheiten), Sehr geehrter Herr Dr. Köhler, (Sparkasse Quedlinburg), Sehr geehrte Frau Dr. McClain, liebe Meredith Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Es sind zwei Schwerpunkte, die die Arbeit unseres Konsulats ausmachen – zum einen die Dienste für US-Bürger und zum anderen die Umsetzung der Politik der US-Regierung sowie der Kontakt zu den Länderregierungen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und zu den Stadtverwaltungen dieser Bundesländer.
Eine andere wesentliche Aufgabe des Konsulats ist jedoch auch die weitere Entwicklung der Beziehungen der Menschen dieser Region zu den Bürgern der Vereinigten Staaten.
Dieses Ziel verfolgen wir auf verschiedenen Wegen:
- wir helfen US-Firmen, sich auf dem hiesigen Markt zu etablieren und beraten deutsche Unternehmen, die in den USA Geschäfte machen wollen. - wir führen Gesprächsrunden in Organisationen wie dem Rotary und Lions Club, Handelskammern, Verbänden und Vereinen, Seminaren der Universitäten sowie in den Klassenzimmern von Gymnasien und berufsbildenden Schulen durch - wir organisieren Vorträge amerikanischer Experten, Schriftsteller und Künstler zu Themen von allgemeinem Interesse – nicht zwangsläufig zur Verfechtung der Politik der USA, wie wir Diplomaten es tun, sondern um ihre eigenen Ansichten mit ihren Zuhörern zu teilen. - wir beraten Privatpersonen und Vertreter von Städten, die mit amerikanischen Kommunen Städtepartnerschaften aufbauen möchten. - und wir gehen einfach auf die Menschen zu. Auch im 17. Jahr nach der Wiedervereinigung Deutschlands kommt es immer noch vor, dass ich Menschen treffe, die noch nie einem Amerikaner begegnet sind.
Ich denke es ist wichtig, dass wir das Bild von Amerika ergänzen, welches die Menschen durch die Unterhaltungsindustrie und die deutschen Medien vermittelt bekommen. Unser kleines Team kann nicht, wie wir es uns wünschten, überall in unserem Konsularbezirk präsent sein und alleine können wir nicht die gesunde Neugierde auf die USA stillen, die ich an den Menschen in Mitteldeutschland beobachtet habe. In unseren Bemühungen, die USA den Menschen hier näher zu bringen, haben wir nicht die Unterstützung, die unsere Kollegen in München und Frankfurt erfahren. Dort leben Tausende Bedienstete der US-Armee und ihre Familienangehörigen. Auch haben wir hier nicht die Dichte von amerikanischen Firmen, derer sich die Konsularbezirke von Düsseldorf und Hamburg seit langem erfreuen.
Und daher freut es mich immer wieder besonders wenn ich erfahre, dass amerikanische Studenten in unsere Region kommen – als Austauschstudenten an eine der hervorragenden Universitäten Mitteldeutschlands, als Fulbright Lehrassistenten, um den Englischunterricht an einer Regelschule zu unterstützen oder im Rahmen eines Programms, wie es hier in Quedlinburg von der Texas Tech University unter der Federführung von Professor Meredith McClain entwickelt wird.
Ich hatte das große Glück, Professor McClain gleich zu Beginn meiner Amtszeit als Generalkonsul zu treffen, und es war mir eine große Freude, sie und die Red Raider Studenten des Herbstsemesters 2005 bei uns im Konsulat begrüßen zu dürfen. In meiner Erinnerung hat sich diese Gruppe als informelle Botschafter der Vereinigten Staaten besonders hervorgetan, als im November die Gruppe der Texas Tech University und einige Kollegen des Konsulats am jährlichen Stammtisch teilgenommen haben, der von einem führenden lokalen Radiosender ausgerichtet wird. Gastfamilien aus der historischen Thüringer Stadt Altenburg bekamen ein kleines Stück Texas geboten, während die Studenten im Gespräch mit jungen Geschäftsleuten und anderen Teilnehmern der Veranstaltung ihre Deutschkenntnisse praktizieren konnten.
Zum Glück steht das Texas Tech-Programm hier in Mitteldeutschland nicht alleine. Die Otto-von-Guericke Universität Magdeburg pflegt seit 1991 einen intensiven Austausch mit der University of Wisconsin in Stevens Point. Jedes Jahr kommen etwa 20 amerikanische Studenten für ein Semester nach Magdeburg. Ihr Hauptziel ist es, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Zusätzlich bietet das Semesterprogramm zahlreiche Möglichkeiten, die deutsche Gesellschaft und Kultur zu entdecken und Kontakte zu jungen Menschen zu knüpfen. Im Dezember vergangenen Jahres empfing das Konsulat die damalige Gruppe von Studenten zu einer nachmittäglichen Diskussionsrunde und einem Rundgang durch das Information Resource Center. Anschließend besuchten sie in der Leipziger Innenstadt das Zeitgeschichtliche Forum, wo sie viel über die deutsche Wiedervereinigung erfuhren und bummelten dann über den Weihnachtsmarkt.
Die Technische Universität Freiberg wie auch die Bauhaus Universität Weimar empfangen jeweils Studenten der James Madison Universität und dem Milwaukee Institute of Art and Design. Die Studenten beteiligen sich an lokalen Theateraufführungen bzw. Kunstausstellungen.
Wie ich vorher andeutete, kommen mehrere Fulbright-Stipendiaten (Studenten sowie Lehrassistenten) jedes Jahr in die Region. Zwei Lehrassistenten brachten sogar vor einigen Jahren einer hiesigen Englischlehrerin die Idee des “Battle of the Books” Wettbewerbs nahe und trugen so ein Stück amerikanischer Schulkultur in diese Region.
Auch Schüler amerikanischer High Schools wissen es zu schätzen, wenn sie in die neuen Länder vermittelt werden. Kollegen des Konsulats besuchten letztes Jahr die amerikanischen Teilnehmer des Jugendaustauschprogramms von Congress und Bundestag während ihres Aufenthaltes im Sprachcamp in Hedersleben in der Nähe von Quedlinburg. Die Schüler machten Exkursionen und beteiligten sich auch an Diskussionen, kulturellen Veranstaltungen und Sportwettkämpfen mit den Jugendlichen vor Ort. Und für die kleine Stadt Hedersleben bedeutete es zwei ereignisreiche und fröhliche Wochen mit diesen amerikanischen Jugendlichen. Übrigens hat die Austauschorganisation (Partnership International mit Sitz in Köln), die das Congress-Bundestag Youth Exchange Programm für Stipendiaten der westlichen USA betreut, Hedersleben erneut für das diesjährige Sprachcamp ausgewählt.
Generell ist zu sagen, dass jeder amerikanische Schüler oder Student, der an einem Austauschprogramm auf Universitäts- oder High School Ebene teilnimmt, die bestehenden bilateralen Programme der Zusammenarbeit stärkt und zur multikulturellen Kompetenz unter den jungen Amerikanern und Deutschen beiträgt. Im Gegenzug dazu trägt für die deutschen Gastgeberinstitutionen die Anwesenheit amerikanischer Studenten zu dem Ziel bei, eine international anerkannte Universität zu werden. Sommerkurse und Orientierungswochen werden organisiert, Initiativen zum Tandem-Lernen werden vorgestellt und sogar die Wohngemeinschaften werden internationaler.
Als ich Quedlinburg vor einem Jahr besuchte, unterstrich Bürgermeister Dr. Brecht das große Interesse, das er und die Bürger seiner Stadt an dem Texas Tech Programm haben. Er betonte auch seine Hoffnung, dass das Programm wachsen möge und die Studenten mehr im Stadtbild präsent und in Veranstaltungen der Stadt einbezogen sein würden. Lassen Sie mich es den amerikanischen Studenten sagen – Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass die Kommunikation mit Muttersprachlern im Alltag nervenaufreibend sein kann und die größten sprachlichen Herausforderungen mit sich bringt. Sie durchgestanden zu haben, wird jedoch andererseits einen immensen Aufschwung für das Selbstbewusstsein bewirken. Und als Diplomat betrachte ich Ihre hiesigen Erfahrungen als Beitrag zur transatlantischen Verständigung und Bereicherung der Beziehungen zwischen den USA und Deutschland.
Mit diesen Betrachtungen im Hintergrund bin ich froh, heute hier sein zu können, und ich gratuliere den Beteiligten am Texas Tech Programm und deren Partnern der Stadt Quedlinburg zum bisher Erreichten. Mein Konsulat freut sich auf eine weitere Zusammenarbeit mit Ihnen allen.
Vielen Dank. |