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Grußwort anläßlich der Tagung "I have a dream ...!" Martin Luther King, Jr.: Leben, Werk und Vermächtnis

04/05/2008


Evangelische Akademie Thüringen, Zinzendorfhaus, Neudietendorf

Sehr geehrte Frau Dr. Waldschmidt-Nelson,
Lieber Herr Dr. Haspel,
Verehrter Herr Professor Ling,
Sehr geehrte Seminarteilnehmer,

Ich danke Ihnen ganz herzlich für die Einladung und danke der Evangelischen Akademie Thüringen und allen Referenten dafür, dass Sie den 40. Jahrestag der Ermordung von Dr. Martin Luther King Jr. zum Anlass nehmen, im Rahmen dieser Tagung, Dr. Kings Leben, Werk und Vermächtnis angemessen zu würdigen.

Die Redner, welche Herr Dr. Haspel für diese drei Tage eingeladen hat, beleuchten unterschiedliche Aspekte des Schaffens von Dr. King und analysieren seine Bedeutung für Kultur und Gesellschaft der Vereinigten Staaten ebenso wie für die ganze Welt.  Ich bin kein Wissenschaftler, habe aber als Kind auch seiner Zeit das öffentliche Schulsystem Amerikas erlebt.  Viel lieber aber möchte ich heute zwei Zeitzeuginnen der Ereignisse jener Tage zu Wort kommen lassen, um den Einfluss Kings und der Bürgerrechtsbewegung auf mein Land etwas zu verdeutlichen.  Beide Frauen stammen ursprünglich aus dem Süden der USA.  Eine von ihnen wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Virginia geboren, die andere kam Mitte der 50er Jahre in Alabama zur Welt.  Eine ist weiß, die andere ist schwarz.  Die eine ist eine Tante meiner Frau, die andere Außenministerin meines Landes.

Zu meinen eigenen Erfahrungen sollte ich vorab vielleicht noch sagen, dass ich von 1963 bis 1976 öffentliche Schulen in New Jersey und New York besuchte.  Während meiner ersten Schuljahre lebten wir in einer Stadt mit acht öffentlichen Grundschulen (die Einwohnerzahl lag damals ungefähr bei 60.000 bis 80.000).  Afro-amerikanische und weiße Kinder wurden mit Bussen von anderen Stadtteilen zur Schule in meiner Straße gebracht, zu der ich zu Fuß ging.  Dem Gesetz folgend, versuchte man damals, die Integration von schwarzen und auch weißen Kindern aus einkommensschwachen Familien in Schulen der Mittel- und Oberschicht zu bewerkstelligen, um gleiche Bildungschancen zu schaffen.

Im Nordosten, wo ich lebte, und auch in meiner eigenen Familie waren Trennung nach Rasse und ethnischer Zugehörigkeit üblich.  Mitunter waren auch offene Vorurteile deutlich erkennbar.  1974 zog ich in den New Yorker Stadtteil Queens und besuchte dort die letzten zwei Schuljahre eine Schule, die, so schien es mir damals, zu ungefähr 40% aus schwarzen, fast 40% aus jüdischen und zu 20% aus anderen Schülern bestand.  Die schwarzen Kinder kamen mit Bussen aus anderen Stadtvierteln im Osten.  Es gab regelmäßig Belästigungen oder Bedrohungen sowie handgreifliche Auseinandersetzungen.  Eine Schlägerei, an die ich mich noch gut erinnern kann, begann während einer Unterrichtsstunde.  Ein italienisches Kind und ein jüdisches Kind nannten einander “Itzig” und “Guinea”, sprangen von ihren Plätzen und begannen, sich zu prügeln.  Das schwarze Kind, das neben mir saß, schaute weg und murmelte “Ihr seid alle so dumm!”  Ich muss zugeben, dass ich nicht weiß, welche ethnischen Gruppen man heute in dieser Schule findet.

Anschaulicher für den Zweck dieses Symposiums als meine eigenen Erinnerungen sind jedoch die von Becky Keith, der Tante meiner Frau.  Sie war in den 50er Jahren ein Teenager in Norfolk, dem größten Ballungsgebiet in Virginia und dem Heimathafen der amerikanischen Flotte und des Alliierten Oberkommandos der NATO.  Obwohl im US-Militär Rassentrennung offiziell abgeschafft war, konnte das von dieser Gemeinde, wie bei so vielen anderen Gemeinden im Süden Amerikas, im Allgemeinen nicht behauptet werden.  Erlauben Sie mir, kurz auf die Erinnerungen von Tante Becky in Bezug auf die “Norfolk 17” einzugehen.  Als “Norfolk 17” wurden jene 17 schwarzen Schüler bezeichnet, die im Herbstsemester 1958 in Schulen eingeschrieben waren, die vorher nur von weißen Schülern besucht wurden.  Zwar wurde Martin Luther King nicht persönlich mit dem Bestreben in Verbindung gebracht, in den Schulen von Virginia die Rassentrennung aufzuheben, aber es war Teil einer NAACP Strategie, für die Bürgerrechte der Afro-Amerikaner einzutreten.  NAACP – National Association for the Advancement of Colored People – ist eine Vereinigung zur Förderung und Unterstützung ethnischer Minderheiten in den USA.

Im Herbst 1958 war Tante Becky 14 Jahre alt.  Das Parlament von Virginia hatte das Massive Resistance Gesetz verabschiedet, welches Integration verhindern und Rassentrennung in den Schulen sicherstellen sollte.  Becky und ihre Familie lebten in einem Arbeiterviertel, viele ihrer Klassenkameraden wollten zwar die Schule beenden, aber nur wenige wollten studieren.  Das Haus der Familie lag nicht mehr als eine halbe Meile von einigen schwarzen Vierteln entfernt, aber damals herrschte vollkommene Rassentrennung.  Es existierten keine Gegenden, wo Schwarze und Weiße zusammen lebten.  Man besuchte die Schule des Viertels, in dem man lebte.  Es gab keine Schulbusse, obwohl Schüler der Junior und Senior High Schools oft zu weit entfernt wohnten, um zu laufen.  Die Schüler fuhren mit Stadtbussen zur Schule.  An Schultagen gab es lediglich zusätzliche Busse auf den normalen Routen.

Doch lassen wir Becky selbst zu Wort kommen:

„Im Sommer 1958 herrschte ein ständiges Auf und Ab in den Nachrichten.  Der Staat ging gerichtlich gegen die NAACP vor.  Wir wussten daher nicht, ob wir im September zur Schule gehen würden oder nicht.  Es ging nur um die Oberstufe, also um die Schüler ab Klasse 7.  Die NAACP hatte 17 schwarze Schüler und ihre Eltern dabei unterstützt, sich diesem Gesetz zu widersetzen, indem sie sich in jeder Oberschule in Norfolk anmeldeten.  In jenem Sommer wurde die Willard Grundschule in eine Junior High School umgewandelt, und weil dort keine schwarzen Schüler angemeldet waren, öffnete sie im Herbst – wie zuvor ausschließlich für weiße Schüler.“

„In Norfolk begann die Schule traditionell am Dienstag nach dem amerikanischen Labor Day.  Als sich der Labor Day näherte, stand (inzwischen auf der Ebene des Obersten Gerichtshofes) die Entscheidung über die Verfassungsmäßigkeit des Massive Resistance Gesetzes an.  Während wir auf eine Entscheidung warteten, schloß die Schulbehörde die drei Junior und Senior High Schools der Stadt Norfolk.  Die Grundschulen, in denen es keine schwarzen Schüler gab, blieben geöffnet.“

„Da die Lehrer bereits einen Vertrag für das gesamte Schuljahr unterschrieben hatten, war die Schulbehörde gesetzlich verpflichtet, ihnen ihr Gehalt zu zahlen.  Das Gesetz des Bundesstaates besagte damals, dass ein Schüler von einem ausgebildeten Lehrer bis zu vier Stunden pro Tag Privatunterricht erhalten und sich die Leistungen dann auch anerkennen lassen konnte.  Diese Regelung war ursprünglich für Schüler gedacht, die durch Krankheit oder eine Behinderung nicht am normalen Unterricht teilnehmen konnten.  Damals hatte noch niemand davon gehört, zu Hause unterrichtet zu werden.  In unserer Gegend gab es eine katholische High School und einige wenige Privatschulen, aber für die meisten waren diese nicht zugänglich.“

„Einige Leute schickten ihre Kinder zu Verwandten in angrenzenden Gemeinden.  Viele Schüler verließen im letzten Schuljahr die Schule und suchten sich Arbeit.  1958 war es noch kein so großes Problem, ohne Schulabschlusszeugnis Jobs zu finden.  Also wurden all jene, die nicht studieren wollten, ‚erwachsen’ und machten mit ihrem Leben weiter.  Sie wurden später als der verlorene Jahrgang von ’59 bezeichnet.“

„Nachdem der erste Schock vorüber war, geschah etwas Interessantes.  Kirchen, Synagogen und Gemeindezentren öffneten ihre Türen, und Lehrer, die von der Stadt bezahlt wurden, unterrichteten freiwillig.  Aus den privaten Unterrichtsgruppen entwickelten sich sogenannte Ad Hoc Schulen.  Indem sie das Gesetz zum Heimunterricht über 4 Stunden nutzten, standen diese Lerngruppen für wenig Geld oder auch kostenlos zur Verfügung.  Die Stadt erlaubte den Lerngruppen, die Schulbücher zu nutzen, und der Unterricht konnte beginnen.  Ich weiß nicht, wie viel meine Mutter und mein Vater bezahlen mussten, aber ich glaube, dass es nicht mehr als 10 oder 15 Dollar im Monat waren.  Es kam natürlich auch vor, dass manche Kinder während des betreffenden Halbjahres gar nicht zur Schule gingen.“

„Meine ältere Schwester Mary Ellen war zu dieser Zeit im erstem Semester am College.  Sie war während ihrer Schulzeit an der Maury High School in der Schulband und im –orchester aktiv gewesen.  Meine Mutter erfuhr, dass der Band-Direktor und der Football-Trainer eine Lerngruppe gegründet hatten.  Die beiden wollten vermeiden, dass ihre Schüler auf andere Schulen und Gemeinden verteilt wurden und wollten “ihren” Kindern helfen.  Die Lerngruppe stand auch anderen Kindern offen, und ich war eines von ihnen.  Wir gingen von 9 bis 13 Uhr in zwei Gotteshäusern zur Schule mit den Namen Colonial Avenue Methodist Church und Beth El Temple (also in die Synagoge).  Sie lagen auf entgegengesetzten Straßenseiten, nur einen Block von Maury High School entfernt.  Ich nahm denselben Bus, den ich auch in meinem ersten Jahr an der High School genommen hatte, bekam Unterricht in Englisch, Sozialkunde, Spanisch, Geometrie und wurde von Lehrern meiner Schule unterrichtet.  Als ich im nächsten Halbjahr an die Schule zurückkehrte, hatte ich außer in Geometrie sogar die gleichen Lehrer.  In mancher Hinsicht war es ein Abenteuer, und ich erinnere mich nicht, diese Zeit als besonders traumatisch empfunden zu haben.  Wir mussten schließlich statt 6 nur 4 Stunden zur Schule gehen.“

„Als der Oberste Gerichtshof das Gesetz niederschlug, gingen wir gern wieder zur Schule und machten mit jugendlicher Leichtigkeit dort weiter, wo wir aufgehört hatten.  Der schwarze Schüler, der an der Maury High School angemeldet war, hieß Louis Cousins, war in meiner Klassenstufe und machte mit mir zusammen 1961 den Abschluss.  Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mich gegen die Konventionen zu stellen und mich mit ihm anzufreunden, aber das habe ich nicht getan.  Während meiner ganzen Jugend war ich bemüht, mich nicht in negativer Art und Weise von meinen Altersgenossen abzuheben.  Ich habe Louis nie etwas Schlechtes gewünscht, mir aber sonst keine Gedanken über ihn gemacht.  Im nächsten Jahr wurden mehr schwarze Schüler eingeschrieben.  Zwar genossen wir bis zu unserem Abschluss die gleiche Schulausbildung, aber außerhalb des Klassenzimmers waren unsere schwarzen Mitschüler aus einer Art von Gewohnheit heraus noch immer von uns getrennt.  Ich sehe das Bild von Louis während der Versammlung an seinem ersten Schultag (Bild anschauen unter: http://www.shsu.edu/~his_www/defeatingmassiveresistance.htm) und wünschte, ich hätte mehr Mut gehabt.  So weit ich weiß, hat sich niemand mit ihm angefreundet.  Wenn doch, so habe ich es nicht gewusst.  Ich kann mich nicht einmal genau daran erinnern, ob ich mit ihm Unterricht hatte.  Ich glaube es aber nicht.  Ich bin mir auch sicher, dass er sehr unter der Behandlung durch seine Klassenkameraden litt.  An ein Ereignis erinnere ich mich noch genau.  Unsere Schule war eine alte Schule mit einer großen Eingangstreppe.  Heute umgeben große Sportplätze die Schule, aber damals standen viele Häuser um das Gebäude herum.  Das hatte zur Folge, dass die Treppe vor der Schule der einzige Ort war, an dem man zusammenkommen konnte.  Am ersten Schultag fand eine Zusammenkunft statt, an der die ganze Schule teilnahm.  Ich erinnere mich, wie Louis durch die Menge kam.  Er wurde dann täglich beschimpft und angespuckt, und keiner hat ihm beigestanden.“

„Heute besuchen fast 60% afro-amerikanische Schüler die Maury High School.  Die Gesellschaft, in der wir in jenen Tagen aufwuchsen, hat uns nicht viel über religiöse oder ethnische Vielfalt beigebracht.  Obwohl Norfolk eine recht weltoffene Stadt war und wegen des Militärs eine mutlikulturelle Bevölkerungsstruktur hatte, war die sogenannte WASP-Kultur (die Kultur der weißen Protestanten) vorherrschend.  Vor diesem Hintergrund wuchsen wir abgegrenzt von schwarzen Menschen und mit der Hässlichkeit des Rassismus auf.  Ich hatte bis zum Abschluss meines Studiums, bis ich begann zu unterrichten, keinen engeren Umgang mit schwarzen Menschen.  Ich kannte nur Schwarze, die “wussten wo ihr Platz war”, wie unser Postbote, die Frau, die für unsere Großmutter geputzt hat, Bedienstete bei uns zu Hause, die Hausmeister in der Schule und die Männer, die unseren Müll abholten.  Es gab soziale Normen, die dafür sorgten, dass wir die Wahrheit nicht herausfanden, nämlich, dass schwarze Menschen genauso klug oder klüger als wir sein konnten und dass sie, wie weiße Menschen auch, unterschiedliche Fähigkeiten haben.“

Ich habe später selber zwei Jahre unterrichtet, davon im zweiten Jahr das Fach Musik in zwei unterschiedlichen Schulen.  Eine Schule befand sich in der Nähe des Marinestützpunktes.  Auch wenn vor allem weiße Schüler diese Schule besuchten, so gab es doch auch eine erhebliche Anzahl von schwarzen Schülern.  An dieser Schule gab es keine Rassentrennung.  Die andere Schule befand sich im Zentrum eines der schlimmsten schwarzen Ghettos in Norfolk, wo zu 100% schwarze Schüler lernten.  Diese Schule wurde später abgerissen und das Stadtviertel wurde neu aufgebaut und “verbürgerlicht”.  Heute leben hauptsächlich schwarze Menschen aus der Mittelklasse dort.

"Die erste Schule, an der mehrheitlich weiße Schüler lernten, hatte viele Musikinstrumente, die von der PTA (Elternbeirat) gekauft wurden, und auch sonst eine gute Ausstattung.  Auf diese Weise wurden die von der Schulbehörde zur Verfügung gestellten Mittel aufgestockt.  Wenn ich etwas brauchte, wurde es gekauft.  Das war im Herbst 1968.  Zu dieser Zeit wurden durch das Great Society-Programm von Präsident Lyndon Johnson Mittel für alle öffentlichen Schulen zur Verfügung gestellt, um davon alles anzuschaffen, was benötigt wurde.  Dadurch hatte auch die Schule, die zu 100% schwarz war, mehr Instrumente und Dinge für den Musikunterricht.  Ich habe dort mit einer schwarzen Kollegin gearbeitet, die schon 20 Jahre im Beruf war.  Sie war eine wunderbare Frau.  Ich habe ihr gern assistiert und sie hat mir viel beigebracht.  Sie konnte großartig mit Kindern umgehen.  Ihr Chor war herausragend.  Eines Tages waren wir im Lagerraum, um ein paar Rhythmusinstrumente zu holen, und ich fand einen Stapel alter Musikbücher.  Ich erkannte sie als dieselben Bücher, die meine eigene Grundschule Jahre zuvor benutzt hatte.  Sie hatten Flecken, waren zerfledert und viele hatten keinen Einband mehr.  Ich fragte sie, was die Bücher dort zu suchen hatten.  Die Bücher, die wir benutzten, waren Silver Burdette Bücher, und so weit ich wusste, benutzten alle Schulen die gleichen Bücher.  Meine Kollegin erzählte mir, dass es Zeiten gab, in denen sie mit nur einem Plattenspieler, einem Klavier und eben jenen alten Büchern unterrichtete.  Es gab keine Trommeln, Triangeln, Zithern oder Glocken, nichts außer diesen Büchern, die man ihr gegeben hatte, nachdem die weißen Schulen dafür keine Verwendung mehr hatten.  Sie sagte damals zu mir: “Ich behalte diese Bücher, um mich an jene Zeiten zu erinnern.”  Das habe ich niemals vergessen.“ Soweit Tante Becky.

Hören Sie nun Dr. Condoleezza Rice.  In einem Interview für die Washington Times vom 27. März 2008 (http://www.state.gov/secretary/rm/2008/03/102757.htm) spricht die Außenministerin über folgende Beobachtungen:

„Amerika tut sich schwer, sich mit ‚Rasse’ auseinander zu setzen.  In meinem Büro sitze ich direkt unter einem Bild von Thomas Jefferson – einem Sklavenhalter – weil er mein erster Vorgänger in diesem Amt war.  Manchmal frage ich mich, was er wohl sagen würde, wenn er wüsste, dass 65 Amtsperioden nach ihm eine schwarze Frau Außenministerin unseres Landes ist.  Und wie würde er erst darüber denken, wenn er wüsste, dass sogar die letzten beiden Amtsinhaber schwarze Amerikaner gewesen sind?  Als dieses Land gegründet wurde, hatten die Worte und Werte, die Eingang fanden in alle wichtigen Dokumente und die für Menschen in der ganzen Welt große Inspiration waren, für den überwältigenden Teil der Bevölkerung keine Geltung.  Schwarze Amerikaner waren auch zu Zeiten der Gründung unseres Landes Teil der Bevölkerung.  Afrikaner und Europäer kamen hierher und gründeten dieses Land – die Europäer kamen aus freiem Willen, die Afrikaner kamen in Ketten.“

„Das ist kein besonders schönes Kapitel unserer Gründungsgeschichte und ich denke, dass dieser ‚Geburtsfehler’ es uns so schwer macht, uns mit diesem Thema auseinander zu setzen, darüber zu sprechen und zu akzeptieren, dass es für uns  und unser Selbstverständnis noch heute von Bedeutung ist, in zweierlei Art:  Einerseits kann man bis heute nicht behaupten, dass die Nachkommen der Sklaven einen Vorsprung beim Start ins Leben bekommen.  Auf der anderen Seite führten Ungeduld und Anstrengungen vieler Menschen, deren Namen wir manchmal kennen oder aber auch nie wissen werden, zur Verwirklichung unser eigenen Prinzipien.  Wir sind einen langen Weg gegangen, an dessen Ende Afro-Amerikaner in Positionen und Ämtern zu finden sind, von denen zu Zeiten der Ermordung Dr. Kings niemand zu träumen wagte.  Und so sind wir täglich konfrontiert mit diesem Widerspruch, mit diesem Paradox Amerikas.  Auf der einen Seite hat der ‚Geburtsfehler’ noch immer Auswirkungen auf unser Land, auf das Denken und Fühlen der Menschen.  Zum Anderen führen die gewaltigen Anstrengungen von Schwarzen und Weißen gemeinsam zur Umsetzung jener Prinzipien.“

„Es gibt ein Paradoxon in diesem Land und einen Widerspruch, den wir immer noch nicht gelöst haben.  Was mir als schwarzer Amerikanerin am Herzen liegt, ist das Verständnis dafür, dass schwarze Amerikaner an dieses Land geglaubt und es geliebt haben, als dieses Land sie nicht geliebt und nicht an sie geglaubt hat.  Das ist unser Erbe, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen.“

„Meine Großmutter, meine Urgroßmutter und mein Vater mussten schlimme Erniedrigungen über sich ergehen lassen, während sie aufwuchsen.  Mein Vater, der in Baton Rouge, Louisiana, aufwuchs, und die Familie meiner Mutter aus Birmingham, Alabama, haben dieses Land trotz allem geliebt.  Ich selbst habe die Bürgerrechtsbewegung des Öfteren als zweite Gründung Amerikas bezeichnet, weil wir endlich damit begonnen haben, diesen “Geburtsfehler” zu überwinden.  Wenn trotzdem jemand meint, dass schwarze Amerikaner dieses Land weniger lieben als weiße Amerikaner, dann sollten sie mit Menschen sprechen, die unter schwierigen Umständen leben, hart arbeiten und schwere Jobs verrichten.  Alles, was sie wollen, ist die Verwirklichung des Amerikanischen Traumes.  Alles, was sie anstreben, ist, dass ihr Kind eine gute Schulbildung bekommt, dass es studieren und später ein besseres Leben als sie selbst führen kann.  Als Präsident Bush über „unterschwellige Ausgrenzung durch geringe Erwartungen“ sprach, wusste ich genau, wie sich dies anfühlt.“

Und jetzt ein Lieblingsgeschichte von Aussenministerin Rice, die sie öfters erzählt.  Man muβ dazu im Kopf haben, dass die meisten schwarze Amerikaner damals der Baptisten oder AME (African Methodist Episcopal)-Kirche gehörten.
„Mein Großvater väterlicherseits war der Sohn eines Farmpächters in Ewtah, Alabama.  Aus irgendeinem Grund beschloss er, dass er studieren wollte.  Und so fragte er jeden, der ihm begegnete, wo ein farbiger Mann zum College gehen könnte.  Und sie sagten: “Da gibt es das Stillman College.  Das ist eine kleine presbyterianische Schule, ungefähr 60 Meilen von hier.  Aber du musst bezahlen, um dorthin gehen zu können.”  Also sparte er seine Baumwolle, und bekam genug Geld dafür, dass er nach Stillman gehen konnte.  Er absolvierte das erste Jahr, und am Beginn des zweiten wurde er wieder nach Schulgeld gefragt.  So sagte er ihnen, dass er mit all seiner Baumwolle, bereits das erste Jahr bezahlt hatte.  Er fragte, wie denn die anderen für die Schule bezahlten, und sie antworteten ihm, dass diese ein Stipendium bekämen.  Wenn er jedoch presbyterianischer Geistlicher werden wolle, könne auch er ein Stipendium bekommen.  Und mein Großvater entgegnete, dass dies genau das sei, was er schon immer machen wollte.“

„Es gibt einen Grund dafür, warum ich mich selbst in erster Linie als Erzieherin beschreiben würde.  Ich glaube, Bildung ist die Basis aller Entwicklung.  Dies trifft auf diejenigen von uns zu, die das Glück hatten, von Eltern und Großeltern auf den rechten Weg gebracht zu werden, so dass beispielsweise ich Außenministerin und mein Cousin Vizepräsident eines führenden Pharma-Unternehmens werden konnten, aber auch auf diejenigen, die es noch immer schwer haben.  Der Unterschied ist, dass meine Eltern und Großeltern dazu in der Lage waren, uns eine gute Ausbildung zu ermöglichen.“

„Soviel dazu, wohin sich meiner Meinung nach unser Diskurs über “Rasse” entwickeln muss.  Und in diesem Kontext meine ich wirklich ‚Rasse’.  Schwarze Amerikaner sind keine Einwanderer.  Wir mögen uns Afro-Amerikaner nennen, aber wir sind keine Einwanderer.  Wir sind nicht Teil der amerikanischen Einwanderungsgeschichte.  Viel wichtiger ist ein Diskurs darüber, dass schwarze Amerikaner und weisse Amerikaner dieses Land zusammen gründeten, und letztendlich gleiche Ziele verfolgten.  Wir sind einen beschwerlichen und langen Weg gegangen bis zu dem Punkt, von dem aus wir alle die gleichen menschlichen Ziele verfolgen.“

Meine Damen und Herren,

ich hoffe, diese weitschweifenden Ausführungen waren interessant für Sie und ich wünsche Ihrer Tagung weiterhin gutes Gelingen.  Nochmals herzlichen Dank für die Einladung und Ihre Aufmerksamkeit.

Weitere Web-links bezüglich der „Norfolk 17“:
http://www.jarretthousenorth.com/annex/uva/civilrightshistory/massiveResistance.html 
h
ttp://www.littlejohnexplorers.com/jeff/brown/resistance.htm

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