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Reden

Empfang des Thüringer Ministerpräsidenten aus Anlass der Informationsreise des Thüringer Konsularkorps am 20. November 2006

11/20/2006

Konsulartag in Thüringen
Erfurt, 20 November 2006

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Sehr verehrte Frau Landtagspräsidentin,
Sehr geehrte Minister und Staatssekretäre,
Sehr verehrte Kollegen des Konsularischen Corps,
Mein sehr geehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Ehre, mich Ihnen heute als neuer Doyen des Konsularischen Corps für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt vorzustellen. Der Weggang unseres Schweizer Freundes und Kollegen Hans Dürig und der bevorstehende Ruhestand unseres verehrten Kollegen Ryszard Król aus Polen machten die Ernennung eines neuen Doyen notwendig. Diese erfolgte nach Beratungen im Konsens, und damit in einem Verfahren, das man im Deutschen "basisdemokratisch" nennen könnte.

Ich habe dieses Amt nicht gesucht, aber ich respektiere die Entscheidung und ich möchte mich bei meinen Kollegen für Ihren Vertrauensbeweis herzlich bedanken. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass sich die Kooperation zwischen dem Konsularischen Corps und den Bürgern Thüringens, ihren Institutionen, ihrem Parlament und ihrer Regierung unter Ihrer Führung - sehr geehrter Herr Ministerpräsident - auch in Zukunft für beide Seiten fruchtbar entwickeln wird.

Und was könnte diese hervorragende Kooperation besser verdeutlichen, als der heutige Tag, den wir hier verbringen durften. Im Namen des Konsularischen Corps möchte ich mich dafür sehr herzlich bedanken. Durch unsere zahlreichen Termine im Freistaat denken wir, dass wir Thüringen ganz gut kennen. Aber ich muss feststellen, heute haben wir es noch ein bisschen besser kennengelernt. Und so befinden wir uns in einem permanenten Lernprozess. Denn viele von uns haben noch den Konsulartag 2005 in bester Erinnerung. Damals besuchten wir das Fujitsu Siemens Werk in Sömmerda und das Erlebnisbergwerk in Sondershausen. Begleitet wurden wir damals - wie auch heute - von Minister Reinholz vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit und erfuhren von ihm sehr viel über die wirtschaftliche Entwicklung Thüringens.

Das heutige Programm führte uns in das Stahlwerk Thüringen und den Museumsbetrieb "Gasmaschinenzentrale" in Unterwellenborn. Danach erhielten wir eine sehr interessante Führung mit anschließender "gehaltvoller" Verkostung in der Erlebnisbrauerei Watzdorf. Im Namen aller Teilnehmer möchte ich den Ministern Reinholz herzlich danken, dass sie uns auf dieser Tour begleitet haben und uns zu interessanten Gesprächen zur Verfügung standen, sowie Herrn Minister Wucherpfennig, der uns am Anfang des Tages begrüßt hat und dessen Haus das Programm vorebereitet hat.

Wir stehen am Ende eines Jahres. Und wenn wir zurückblicken, dann können wir sagen, dass der Freistaat Thüringen sich in diesem Jahr nicht nur als "Deutschlands Starke Mitte" präsentierte, sondern vielmehr auch als "Europas Starke Mitte". Im Folgenden möchte ich nur einige von Thüringens "internationalen Höhepunkten" herausgreifen:

Thüringen feierte das Französisch-Deutsche Jahr, mit vielen Veranstaltungen mit französischer Beteiligung. Ein Höhepunkt dabei war im Oktober die Nachstellung der Schlacht von Jena und Auerstedt, die vor genau 200 Jahren stattgefunden hatte.

Mitte Oktober besuchte der Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein, Herr Otmar Hasler, Thüringen.

Und Anfang Oktober feierte der Freistaat die deutsche Wiedervereinigung in Jena, der Stadt, wo wieder Geschichte geschrieben wird. Diesmal nicht durch Schlachten wie zu Napoleons Zeiten, sondern durch Wissen, Technologie und Fortschritt

Bereits im März wurde die Ausstellung "die antiken Mosaiken von Ravenna" in der Universitätsbibliothek von Erfurt gezeigt. Sie wurde von der Stadt Ravenna durchgeführt, da durch die Sankt-Severi-Kirche in Erfurt ein Bezug zu Ravenna besteht, wo San Severo geboren wurde. Auch gab es einen "Italienische Sommer in Gotha", der unter der Schirmherrschaft des italienischen Botschafters stand und im Beisein von Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, eröffnet wurde.

Wenn wir unseren Blick nach Osten richten, dann möchte ich daran erinnern, dass bereits im Mai 2005 in Deutschland das Deutsch-Polnische Jahr eingeläutet wurde. Es dauerte bis April diesen Jahres. Während dieser Zeit fanden verschiedene Veranstaltungen statt. Das Polnische Generalkonsulat organisierte unter anderem in Altenburg eine große Ausstellung der polnischen Malerei der Gegenwart. Sie stand unter dem Motto "Polen kommt". Ebenfalls im Rahmen des Deutsch-Polnischen Jahres gab es eine große Veranstaltung in Kraków. Thüringen als Partnerregion von Malopolska präsentierte sich dort als modernes und aufstrebendes Bundesland. Aus diesem Anlass fand ein Konzert der Weimarer Philharmonie statt.

Anläßlich des 13. Jahrestages der Verabschiedung der Verfassung des Freistaates Thüringen und des 50. Jahrestages der Revolution und des Freiheitskampfes 1956 in Ungarn fand auf Einladung des Thüringer Landtags eine Veranstaltung mit dem Halastó Chor aus Budapest statt.

Auch möchte ich erwähnen, dass die Thüringische Landesregierung deutsch-russische Organisationen unterstützte, wie die "Freunde der Stadt Sankt Petersburg" in Arnstadt, die kulturelle Agentur "Sirin" in Erfurt und die "Maria Pawlowna Gesellschaft" in Weimar. Alle diese Vereine tragen sehr viel zur Erweiterung der kulturellen Kontakte zwischen Rußland und Deutschland bei.

Ein Ereignis mit internationaler Bedeutung war im September 2006 die Eröffnung der neuen Dauerausstellung in Mittelbau-Dora, die von der Landesregierung unterstützt wird. In diesem Zusammenhang möchte ich das Engagement des Kultusministers des Freistaates Thüringen, Herrn Professor Dr. Jens Goebel, als Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora würdigen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
erlauben Sie mir auch einige Veranstaltungen zu erwähnen, die den engen Kontakt zwischen Thüringen und meinem Land verdeutlichen.

Im Februar feierte die Stadt Weimar den Erwerb einiger Werke des deutsch-amerikanischen Malers und Bauhaus-Meisters Lyonel Feininger, der die Stadt vor genau 100 Jahren zuerst besucht hatte.

Im März eröffnete eine Ausstellung in Sonneberg anläßlich des 155. Jahrestages der Errichtung des ersten US-amerikanischen konsularischen Vertretung in der Stadt. Die Frau Staatssekretärin (Dr. Renate) Meier war dabei wie auch Anne Adams (Deputy U.S. Forces Liaison Officer, Wiesbaden) mit einer Blassquintett der US-Armee.

Und im Juni gedachte die Stadt Mühlhausen eines ihrer berühmtesten Söhne. Johann August Roebling, der Erfinder des Drahtseils und Pionier im Bau von Hängebrücken. Die Stellvertretende Ministerpräsidentin, Frau Birgit Diezel, und Herr Karl Diller, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, waren bei der Feier anwesend, während der auch die Briefmarke vorgestellt wurde, die an Roeblings bekanntestes Bauwerk, die Brooklyn Bridge in New York City, erinnert.

Am Ende meiner kleinen Tour durch die internationalen Ereignisse im Freistaat möchte ich noch einmal in Weimar Station machen um Thüringens Internationale Schule zu erwähnen, die in eine neue, würdige Heimat umziehen konnte. Und damit lande ich wieder hier in diesem schönen Festsaal. Vor 200 Jahren war er Schauplatz historischer Ereignisse, aber damals waren es kriegerische Zeiten. Heute ist Thüringen im Herzen Europas von Freunden umgeben.

Und so lassen Sie mich am Ende noch in die Zukunft blicken. Thüringen wird auch im neuen Jahr international sein. Als Austragungort der Buga 2007 in Gera und Ronneberg ist es Gastgeber für Gartenfreunde aus aller Welt. Und als amerikanischer Generalkonsul freue ich mich besonders, dass Sie, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, gleich Anfang des Jahres die Westküste der USA besuchen werden. Ich bin überzeugt, dass dies die wirtschaftlichen, kulturellen aber auch menschlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern stärken wird.

Als Sprecher des Konsularischen Corps möchte ich mich auch noch herzlich beim Chef des Protokolls, meinem Freund Ministerialrat Karl-Michael Danzer, und seinem Team Frau Herrmann, Frau Jaritz, und Herrn Glaser bedanken. Sie haben heute nicht nur einen eindrucksvollen Konsulartag organisiert, sondern sie stehen uns Diplomaten auch das ganze Jahr hindurch hilfreich zur Seite.

Nochmals herzlichen Dank an Sie, Herr Ministerpräsident, im Namen des gesamten Konsularischen Corps für Ihre Gastfreundschaft und für die exzellenten Beziehungen, die Sie und Ihre Regierung mit uns unterhalten.

Und ich danke Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit und Geduld bei meiner “Jungfernrede” als Doyen des Konsularischen Corps.

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