Neujahrsempfang der American Chamber of Commerce in Dresden 26. Januar 2007
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Sehr geehrter Herr Kornblum/dear Ambassador Kornblum, Sehr geehrter Herr Heckschen, Meine sehr geehrten Damen und Herren,
auch ich möchte Ihnen allen Gesundheit, Freude und Erfolg für das neue Jahr wünschen. Dem „Committee Chairman“ der Amerikanischen Handelskammer Dresden, Herrn Honorarkonsul Heckschen, danke ich für diese Gelegenheit, heute zu Ihnen zu sprechen.
Der Beginn eines neuen Jahres gibt uns die Gelegenheit, das vergangene Jahr zu überdenken und vorauszuschauen auf das kommende Jahr.
· Erfreulich ist im Rückblick das nach wie vor große Engagement von Auslandsinvestoren im Freistaat. Hier stehen die USA gemeinsam mit der Schweiz, Österreich, Frankreich, den Niederlanden und Italien an vorderster Stelle.
· Und obwohl alle von Indien und China reden, bleibt festzuhalten, dass US-Firmen in keinem anderen Land bislang mehr investierten als in Deutschland. 110 Milliarden Euro beträgt die Gesamtinvestitionssumme für die ca. 2.000 US-Unternehmen in Deutschland.
· Es trägt zum Aufbau des Wohlstandes beider Länder bei, dass insbesondere im Hochtechnologiebereich Tausende von Arbeitsplätzen in Sachsen durch US-Unternehmen – allen voran AMD – geschaffen wurden und werden.
· Hervorzuheben ist hier für 2006 auch die Ansiedlung der US-Halbleiterfirma Entegris aus Minnesota, die von Baden-Württemberg nach Dresden wechselte und 40 Mitarbeiter am Standort beschäftigt.
· Die größten Schlagzeilen im Jahr 2006 machte jedoch die Ansiedlung von amazon mit seinem Logistikzentrum in Leipzig. Hier sind insgesamt 400 Arbeitsplätze auf einem Terrain von 11 Fußballfeldern (um auch dieses Wort mit Bezug auf 2006 in den Mund zu nehmen) vorgesehen. Beachtenswert ist, dass dieses Zentrum in nur 4 Monaten errichtet werden konnte.
· Darüber hinaus entwickelt sich beispielsweise im Bereich Erneuerbare Energien ein intensiver Austausch zwischen US- und deutschen Unternehmen, den wir als US-Botschaft bzw. US-Generalkonsulat durch Expertenrunden forcieren werden. Bei der 21. Europäischen Photovoltaic Solar Energie Konferenz in Dresden im vergangenen September nahmen 25 US-Solar-Energie-Unternehmen teil, die bereits in Deutschland agieren oder dies in naher Zukunft beabsichtigen. Ähnlich positive Entwicklungen zeigen sich momentan auch im Bereich Biomasse/Pellets.
· Aus Befragungen der Wirtschaftsförderung Sachsen wissen wir, dass 60% der etwa 120 US-Tochtergesellschaften im Freistaat Umsatzsteigerungen erwarten, so dass jedes zweite Unternehmen über Erweiterungen nachdenkt.
· Viele der US-Investoren haben sich in den vergangenen 15 Jahren in dieser Region zu einem stabilen Wirtschaftsfaktor entwickelt und bringen sich somit auch als sogenannter Corporate Citizen in Entwicklungen außerhalb der Unternehmens-Kernprozesse aktiv mit ein.
· So wird zum Beispiel Ende Februar in Dresden ein Internationaler Workshop zum Thema “Strategisches Corporate Citizenship in Deutschland” unter Beteiligung von US-Unternehmen stattfinden.
· Beachtenswert ist zugleich, dass eine zunehmende Anzahl von hiesigen Unternehmen an deutschen Gemeinschaftsständen auf US-Fachmessen wie der BIO 2007 in Boston oder der Semicon West 2007 in San Francisco teilnehmen wird. Umgekehrt möchte ich an dieser Stelle die deutschen Industriekontakte einladen, unsere US-Gemeinschaftsstände auf den deutschen Fachmessen für Kontaktanbahnungen zu nutzen. Einen aktuellen Überblick finden Sie hierzu auf der homepage unseres U.S.Commercial Service unter: www.buyusa.de
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wirtschaftspolitisch ist das Jahr 2007 ein ganz besonderes Jahr. Deutschland hat nicht nur für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft inne, sondern im Juni dieses Jahres wird Deutschland auch Gastgeber der Staats- und Regierungschefs der G-8 Staaten sein. Damit kommt der Bundesrepublik eine Schlüsselrolle zu bei der Agenda-Setzung und bei der Moderation wichtiger wirtschaftspolitischer Fragen. Ich möchte nur kurz auf einige dieser Bereiche eingehen. Das Thema “Energiesicherung” ist ein Bereich, das die Vereinigten Staaten wie auch Deutschland stark beschäftigen. Die USA und Deutschland haben dieselben Sorgen, was die langfristige Sicherung der Energieversorgung betrifft. Wir müssen Alternativen zu den herkömmlichen Energieträgern entwickeln und unsere Energie-Effizienz erhöhen. Sachsen besitzt ein großes Potential im Bereich erneuerbarer Energie. Wir beobachten diesen schnell wachsenden Sektor mit großem Interesse, besonders unter dem Gesichtspunkt der wachsenden Bedeutung für Ihr Bundesland und für Deutschland. Gemeinsame Entwicklung neuer Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie sind für die Allgemeinheit von Vorteil und für die beteiligten Firmen profitabel.
Ein anderer Punkt, der uns auch im neuen Jahr beschäftigen wird, ist ein freier und fairer Welthandel. Internationale Handelsbeziehungen haben sich bei den Bemühungen, Armut zu bekämpfen und ein Wirtschaftswachstum zu sichern, bewährt. Dies kann man an so verschiedenen Staaten wie Südkorea und China sehen. Leider konnte die Doha-Runde der Welthandelsorganisation WTO im letzten Jahr nicht erfolgreich beendet werden. In der ersten Hälfte dieses Jahres besteht noch einmal die Chance dies nachzuholen. Präsident Bush und Bundeskanzlerin Merkel stimmten bei ihrem letzten Treffen in Washington darin überein, dass ein erfolgreicher Abschluss der Doha-Verhandlungen größte Priorität hat. Lassen Sie uns also jeder an seinem Platz daran arbeiten, dass die in der Doha-Runde angestrebten Ziele Realität werden. Ein Vertrag würde eine Ausgrenzung von Schlüsselindustrien durch Zölle deutlich verringern, ungerechte Agrarsubventionen abschaffen und den globalen Dienstleistungsmarkt öffnen. Ein freier und offener Weltmarkt birgt allerdings auch die Gefahr von Produktpiraterie. Auch hier müssen wir eng zusammenarbeiten, damit wir dieses sich ausweitende Problem eindämmen und unter Kontrolle bekommen können. Von der Sicherung des geistigen Eigentums profitieren nämlich nicht nur amerikanische und europäische Großfirmen, sondern alle auf der Welt: Handwerker und Industriearbeiter, Schriftsteller und Leser, Musik- und Filmproduzenten und alle Computer- und Internetnutzer. Gesetze zur Sicherung geistigen Eigentums betreffen aber auch die Gesundheit und Sicherheit. Gefälschte Auto- oder Flugzeugteile, Lebensmittel oder Medikamente verursachen zahlreiche Unfälle und Gesundheitsschäden mit vielen Verletzten und Toten besonders in den Entwicklungsländern. Schließlich möchte ich noch eine Zukunftstechnologie ansprechen, nämlich die Biotechnologie. Deutschland hat hervorragende Forschungszentren für Biotechnologie, unter anderem hier in Dresden. Es ist aber ein Problem, wenn im Labor entwickelte Neuerungen nicht unter natürlichen Bedingungen getestet werden dürfen, oder wenn, nur unter großen Restriktionen und Haftungsrisiken. Das trifft in Deutschland vor allem für die grüne Gentechnik zu. Wir hoffen, dass unter anderem anlässlich des erst kürzlich von der WTO getroffenen Schiedsspruches auch die Gesetze in Deutschland dahingehend angepasst werden, damit die Landwirte, die genveränderte Sorten anbauen wollen, dies auch ohne unzumutbare Haftungsrisiken tun können. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich wünsche Ihnen allen und der "American Chamber of Commerce" alles Gute bei Ihren Bemühungen, die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und den USA zu vertiefen. Ihre Arbeit als Kammer, als Unternehmer und als engagierte Bürger trägt dazu bei, dass die transatlantischen Beziehungen auch weiterhin erfolgreich und für beide Seiten fruchtbar sein werden. |