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Reden

Generalkonsul Mark Scheland gedenkt der Opfer des 11. September 2001

09/11/2006

Der Generalkonsul nahm am 11. September an der Andacht des Evangelischen Schulzentrums in der Peterskirche Leipzig teil. Nachfolgend finden Sie seine dort gehaltene Rede.

Liebe Schüler und Lehrer, liebe Freunde,

Ich möchte mich bei Ihnen und Euch dafür bedanken, dass ich an dieser Andacht für die Opfer der Terroranschläge in den USA heute vor 5 Jahren, am 11. September 2001, teilnehmen und mitwirken kann.

An jenem Tag vor fünf Jahren arbeitete ich im Büro eines US-Senators in der Nähe des Capitols. Als über die Tragödie in New York im Fernsehen berichtet wurde, konnte ich zunächst nicht einschätzen, wie weitreichend dieses Ereignis sein würde. Als sich die Gerüchte verdichteten, dass Bomben an mehreren Plätzen in Washington detoniert seien, schloss ich mich den vielen tausend Menschen an, die aus den Bürogebäuden strömten und die Straßen und U-Bahnen verstopften, um nach Hause zu gelangen. Noch auf der Straße vor unserem Haus konnten wir den Rauch des brennenden Flugzeug-Wracks am Pentagon riechen, obwohl dieses einige Kilometer entfernt ist.

In den Wochen, Monaten und nun Jahren seit den Anschlägen, haben viele Amerikaner, insbesondere Regierungsangestellte, die Terrorattacken des 11. September zum Anlass genommen, politische Entscheidungen, Praktiken und Gesetze zu überdenken, über unsere nationale Sicherheit zu diskutieren, unsere täglichen Gewohnheiten zu ändern und die restliche Welt mit anderen Augen zu betrachten. Aber jedes Jahr an diesem Tag ist es auch für jeden Einzelnen von uns richtig und wichtig, sich an seine eigenen Erfahrungen und Gedanken an diesem Tag zu erinnern sowie an die persönlichen Auswirkungen dieses Terroraktes auf die tausenden Opfer, deren Familien, Freunde und Kollegen.
Es liegt in der Natur des Menschen, der Opfer zu gedenken, Respekt zu zeigen, Sehnsüchten Ausdruck zu verleihen, traurig und wütend zu sein über den Verlust so vieler Menschenleben oder auch – gerade im Angesicht dieses Verlustes – ihr Lebenswerk und das Leben an sich zu feiern. Deshalb wird weltweit am 11. September der Opfer gedacht – Menschen unterschiedlicher Religionen aus über 90 Ländern.

Anlässlich des 5. Jahrestages sind in diesen Wochen in New York und den gesamten USA dutzende Gottesdienste, Konzerte, Diskussionsrunden, Ausstellungen und kleine Treffen geplant. Jedes Jahr um diese Zeit versammeln sich Menschen, um sich über die Opfer und die Herausforderungen und Triumphe der Familienangehörigen auszutauschen oder etwas zu erfahren. Andere verarbeiten ihre Erinnerungen und Hoffnungen, indem sie etwas konkretes, zum Beispiel ein Kunstwerk, schaffen und ausstellen. Andere werden dazu inspiriert, neue Wege zu finden, Menschen in Not zu helfen, und ihre Arbeit, oft auf freiwilliger Basis, hält an - Jahr für Jahr für Jahr.

Am vergangenen Freitag wurde ein Quilt, der schon seit 4 Jahren im ganzen Land gezeigt wurde, an der St. John’s Universität in New York City enthüllt. Dieser Quilt wurde aus 3.550 45 Zentimeter großen Stoffquadraten genäht. Jedes davon ist einer Person gewidmet, die im World Trade Center, im Pentagon oder auf dem Flug 93 der United Airlines in Pennsylvania umgekommen ist. Eine andere Interessengruppe spendet den Familien der Opfer eigene Quilts und archiviert auf einer Web-Seite Fotographien und Informationen. Jedem Opfer der Anschläge wird eine eigene Seite im Internet gewidmet.

Die offizielle Gedenkveranstaltung zum 11. September der Stadt New York beinhaltet - wie schon in den letzten vier Jahren - vier Schweigeminuten, welche an die Zeitpunkte der Flugzeugeinschläge und den Zusammensturz beider Türme des World Trade Centers erinnern sollen. Beim Ground Zero in Lower Manhattan wird die Stadt der Anschläge mit der jährlichen Verlesung der Namen der Opfer gedenken. Familienmitglieder der Opfer und Freiwillige aus allen Teilen der Vereinigten Staaten werden die Namen abwechselnd vortragen.

Wie bereits von mir erwähnt, bedeutet Gedenken für einige Amerikaner aktives Engagement. In den letzten fünf Jahren haben sich Gruppen mit vielfältigen konstruktiven Zielen gegründet - sie alle teilen den Wunsch aus dieser Tragödie etwas Positives erwachsen zu lassen. Das sogenannte September Projekt ermuntert und unterstützt Menschen dabei, gemeinnützige Veranstaltungen zu Freiheit, Demokratie und Mitbürgersbewusstsein in Bibliotheken oder anderen öffentlichen Plätzen in den USA und überall auf der Welt durchzuführen. Die Gruppe Familien des 11. Septembers hat es sich zur Aufgabe gemacht, „das Bewusstsein für die Auswirkungen des Terrorismus und öffentlicher Traumata zu stärken, sowie sich für eine nationale und internationale Politik einzusetzen, die terroristische Akte verhindert, vor ihnen schützt oder auf diese reagiert“. Andere Gruppen organisieren „Gemeinde-Treffen“ oder andere Formen des gesellschaftlichen Dialogs, zum Beispiel zu Themen wie den US- Islamischen Beziehungen, oder veranstalten Videokonferenzen zwischen Universitäten in den USA und der muslimischen Welt und Europa.

Angesichts der Bedrohung durch den Terror, suchen die Regierungen sowie auch jeder einzelne Bürger nach Möglichkeiten, wie sie ihre Werte, ihre Freiheit und den Frieden unter den Menschen verteidigen und aufrecht erhalten können.
Wie auch bei jedem anderen Terroranschlag vor und nach dem Anschlag vor 5 Jahren, behandelten die Täter des 11. Septembers ihre Opfer mit extremer Grausamkeit und Unmenschlichkeit. Ihre Handlungen offenbarten Intoleranz gegenüber den Werten und Lebenseinstellungen von Menschen, die sie nicht kannten, aber die sie meinten, verachten zu können. Das Töten unschuldiger Menschen mit diesen Mitteln, um auf politische und soziale Missstände aufmerksam zu machen, ist (und bleibt) inakzeptabel.

Ich danke für Ihre und Eure Anteilnahme und bitte nun um einen kurzen Moment, um der Opfer schweigend zu gedenken.


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