Bücher – Bibliotheken – Friedliche Revolution
Generalkonsulin Katherine Brucker
September 2009
Nur wenige Dinge können Menschen so sehr beeinflussen wie Bücher, und nur wenige Orte können Menschen und ihr Denken so sehr beeinflussen, wie Bibliotheken.
Bibliotheken mit ihren Büchern zeigen uns Welten jenseits der Ländergrenzen, in denen wir uns bewegen. Kinder lernen die magische, mystische Welt von Gullivers Reisen kennen und begegnen anderen Ländern durch übersetzte Werke. So wie unser Interesse am Lernen wächst, werden Bibliotheken zu wunderbaren Orten, an denen man sich einfach zwischen den Regalen verliert, und wir wählen oft ein Buch, das wir zufällig gefunden haben, während wir eigentlich etwas anderes gesucht haben.
Jeder, der die Macht von Büchern anzweifelt, sollte sich die Mühen diktatorischer Regierungen in Erinnerung rufen, das zu kontrollieren, was die Menschen lesen. Die Nationalsozialisten verbrannten Bücher, in der Sowjetunion und in der DDR wurden sie zensiert.
Wenn wir das 20jährige Jubiläum des Falls der Berliner Mauer und der Friedlichen Revolution, die dies erst möglich gemacht hat, feiern, sollten wir nicht vergessen, wie sehr Bücher und Bibliotheken geholfen haben, Deutschland und Europa zu verändern. Trotz Restriktionen für westliche Veröffentlichungen in der DDR gab es reichlich Material guter Autoren aus aller Welt. Diese Bücher boten Informationen, Trost, Hoffnung und einen Zufluchtsort für Geist und Seele.
Die Umgestaltung Europas nach 1990 erhöhte den Stellenwert von Bibliotheken. Plötzlich war alles erhältlich und Bibliotheken boten den größten öffentlichen Zugang. Die USA spendeten den Bibliotheken in den neuen Bundesländern tausende Bücher und gaben somit den Menschen die Möglichkeit, englischsprachige Texte zu lesen. Bibliotheksverbünde, gestärkt durch das Internet, eröffneten eine Welt, wie es sie noch nie zuvor gab. Trotzdem wird das Internet Bibliotheken und Bücher nicht ersetzten. Millionen von Menschen haben noch keinen Zugang zum Internet, aber die meisten von ihnen können in eine Bibliothek gehen.
Das Wohlbefinden letztendlich, das sich einstellt, wenn man es sich mit einem guten Buch gemütlich macht, kann nur kultiviert werden, indem man das Lesen fördert. Wie Barack Obama 2005 sagte: „An der Schwelle zum 21. Jahrhundert, wo Wissen in wortwörtlichem Sinne Macht ist, wo es die Tore zu Chancen und Erfolg öffnet, haben wir alle die Verantwortung als Eltern, Bibliothekare, Erzieher, Politiker und Bürger, in unseren Kindern die Liebe zum Lesen zu pflanzen, sodass wir ihnen die Möglichkeit geben können, ihre Träume zu verwirklichen“. Er lobte Bibliothekare als „Hüter von Wahrheit und Wissen, welchen gedankt werden muss für ihre Rolle als Verteidiger der Privatsphäre, der Lese- und Schreibfähigkeit, des unabhängigen Denkens und am meisten des Lesens“.


