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Rede zum Unabhängigkeitstag
Generalkonsulin Katherine Brucker
July 1, 2009
Erfurt, Germany

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Bausewein,
Sehr geehrte Mitglieder des Thüringer Kabinetts,
Sehr geehrte Frau Präsidentin Professor Schipanski,
Sehr geehrte Gäste aus den Kirchen, aus der Politik, der Wirtschaft, der Gesellschaft,
My fellow Americans,

Es ist mir eine große Freude, Sie heute zu unserer Feier anlässlich von 233 Jahren amerikanischer Unabhängigkeit willkommen zu heißen. In diesem für Deutschland bedeutendem Jahr der Jubiläen - 60 Jahre Grundgesetz, 20 Jahre Friedliche Revolution, 20 Jahre Fall der Berliner Mauer - blicken die USA auf 233 Jahren amerikanische Unabhängigkeit zurück, wofür wir Amerikaner äußerst dankbar sind.

Letzten Oktober, genauer gesagt am 24., hatte ich das Vergnügen, anlässlich des Tages der Verfassung und des Landtags 15 Jahre Demokratie in Thüringen mitzufeiern - am 25. Oktober 1993 wurde die Verfassung Thüringens verabschiedet.

Es mag etwas naiv klingen, aber ich muss zugeben, dass mich die Einladung zu jener Feier zunächst überraschte, weil Thüringen und alle anderen jungen Länder so offensichtlich demokratisch sind, dass man leicht vergisst, dass es vor nicht allzu langer Zeit noch nicht so war. 15 Jahre - fast 16 jetzt - Demokratie in Thüringen, das ist eine wichtige und erfreuliche Errungenschaft, aber sie unterstreichen auch, wie zerbrechlich Demokratie und Freiheit sein können und zeigen, wie glücklich wir Amerikaner uns über 233 (lange) Jahre Demokratie schätzen können.

Die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die am 4. Juli 1776 unterzeichnet wurde, ist ein bemerkenswertes Dokument - wunderschön geschrieben - auf das die Amerikaner enorm stolz sind.

Die am häufigsten zitierte Passage spricht das Recht auf Selbstbestimmung und die Rolle von Regierungen an:

„Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; dass zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingerichtet werden, die ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten; dass, wenn irgendeine Regierungsform sich für diese Zwecke als schädlich erweist, es das Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen und sie auf solchen Grundsätzen aufzubauen und ihre Gewalten in der Form zu organisieren, wie es zur Gewährleistung ihrer Sicherheit und ihres Glücks geboten zu sein scheint. Gewiss gebietet die Vorsicht, dass seit langem bestehende Regierungen nicht um unbedeutender und flüchtiger Ursachen willen geändert werden sollten, und demgemäß hat noch jede Erfahrung gezeigt, dass die Menschen eher geneigt sind zu dulden, solange die Übel noch erträglich sind, als sich unter Abschaffung der Formen, die sie gewöhnt sind, Recht zu verschaffen. Aber wenn eine lange Reihe von Missbräuchen und Übergriffen, die stets das gleiche Ziel verfolgen, die Absicht erkennen lässt, sie absolutem Despotismus zu unterwerfen, so ist es ihr Recht, ist es ihre Pflicht, eine solche Regierung zu beseitigen und sich um neue Bürgen für ihre zukünftige Sicherheit umzutun."

In Anbetracht der Ereignisse 1989 in Plauen, Dresden, Leipzig, Arnstadt, Weimar, Erfurt und in vielen anderen ostdeutschen Städten, und der Dinge, die heute in den Straßen von Teheran geschehen, erkennen wir, welches Glück wir haben, so zu leben, wie wir leben, und welch großen Dank wir jenen, die sich gegen Tyrannei und Ungerechtigkeit behaupteten und deren Leistungen und Opfer unsere Freiheit sicherten, schulden.

Unser gemeinsames Engagement für Demokratie und Freiheit verbindet sowohl die Vereinigten Staaten und Deutschland, als auch die Vereinigten Staaten und Europa auf eine sehr besondere Weise. Gemeinsam stellen wir eine starke Kraft dar, die für das Gute in der Welt eintritt. Diejenigen, die sich immer wieder auf unsere Unterschiede oder Meinungsverschiedenheiten konzentrieren, ignorieren die Tatsache, dass unsere Grundwerte die gleichen sind.

Man muss sich nur das deutsche Grundgesetz sorgfältig durchlesen, um dies zu sehen.

"Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben. Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk."

Wie die amerikanische Verfassung, so garantiert auch das deutsche Grundgesetz Grundrechte, Rechte, die wir als grundlegend für die Menschen aller Nationen ansehen. Dazu zählen: Schutz der Menschenwürde, Freiheit der Person, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit, Pressefreiheit, sowie die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft.

Wir sind so sehr überzeugt von dem allumfassenden Recht auf grundlegende Freiheiten, dass wir bilateral, multilateral und auf jede vorstellbare Weise zusammenarbeiten, um anderen zu helfen, das zu erreichen, woran wir das Glück haben, uns zu erfreuen.

Diese Grundrechte sind jedoch mehr als „amerikanische Rechte" oder „deutsche Rechte", sie sind auch mehr als ein "American Dream" - ein amerikanischer Traum -; sie sind die Grundwerte menschlicher Zivilisation, die "unveräusserlichen" Rechte aller, das heisst ALLER Menschen.

Diese Menschenrechte sind die unverrückbaren, gemeinsamen Werte, die die Beziehung zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten so bedeutend machen, nicht nur für unsere beiden Länder, sondern für die ganze Welt.

Präsident Obama sprach redegewandt - wie er immer spricht - über diese Beziehung auf der Pressekonferenz, die er mit Kanzlerin Merkel nach ihrem Treffen im Weißen Haus vergangenen Sonnabend gegeben hat. Er nannte die Bande der Freundschaft und des Vertrauens zwischen unseren Bürgern „unzerbrechlich."

Freundschaft und Vertrauen - das sind besondere Werte, Werte, die eher eine Beziehung zwischen Menschen und weniger zwischen Staaten beschreiben, aber diese Worte treffen in der Tat für Deutschland und die USA zu.

Der beste Weg, Freundschaft und Vertrauen zwischen Menschen aufzubauen, ist, in entspannter und ungezwungener Atmosphäre zusammenkommen. Ich kann mir kaum eine bessere Gelegenheit vorstellen, bei der Menschen sich entspannt unterhalten und kennen lernen können, als unsere Feier zum 4. Juli, die - letztendlich - eine Party ist, auf der die Besucher die lockere Atmosphäre genießen, Spaß haben und bei guter Laune und in traditioneller Weise wie die Amerikaner zu Hause und auf der ganzen Welt zusammen feiern.

Bevor ich nun das Buffet erneut eröffne, möchte ich gern den vielen Sponsoren herzlich danken, die die heutige Veranstaltung möglich gemacht haben. Wie viele von Ihnen wissen, ist die USA der führende ausländische Investor in Mitteldeutschland. Circa 230 Unternehmen schaffen mehr als 30.000 Arbeitsplätze. Einige dieser Firmen haben großzügige Beiträge zu unserer heutigen Veranstaltung geleistet. Unser herzlichster Dank geht an das Radisson Hotel Erfurt, Subway, Coca-Cola, Niles-Simmons, Lion Apparel, Best Western Erfurt, Dow Chemical, Bell Flavors & Fragrances, IBM, Sovello, Clopay, URS, Anchor Lamina, Puralube, Tower Automotive und WRC (World Resources Company). Ich bedanke mich ebenfalls bei der Stadt Erfurt und der Zitadelle Petersberg, besonders bei der Bauhütte Petersberg, für all die Unterstützung bei der Vorbereitung der heutigen Feier. Und auch, entweder bei der Stadt Erfurt oder beim Freistaat Thüringen, für das wunderschöne Wetter!

Zum Schluss möchte ich -wohlwissend, dass man in Deutschland nicht vorher zum Geburtstag gratuliert, mir aber versichert wurde, es sei völlig in Ordnung, das nachträglich zu tun - alle herzlich einladen, mit mir Ministerpräsident Althaus zu seinem Geburtstag zu gratulieren, den er am vergangenen Montag gefeiert hat.

And now, let the party begin -- again!

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